Weser8geocaching’s Blog

Geocaching – nicht nur im Weserbergland

Posts Tagged ‘Klimahaus’

„Einmal um die ganze Welt“ – in den Taschen bleibt kein Geld

Posted by wese8geocaching - 4. Oktober 2009

Heute ging es zur Abwechslung mal auf Besichtigungstour in Bremerhavens neue Sehenswürdigkeit. Gemeint ist hier nicht das Geschmackslabor. Bei regnerischem Wetter hieß es zunächst einmal etwa 10 Minuten warten. Glücklicherweise zur Mittagszeit, da waren die meisten Besucher wohl schon beim Verspeisen der Sättigungsbeilage. Nach ein bisschen Technik ging es nun in die weiteren Bereiche der Flunder. Das Gebäude beeindruckte an diesem Tag nicht nur durch die ungewöhnliche Außenarchitektur. Auch im Innenbereich hatte man die Erkenntnisse des Bühnen- und Kulissenbaus mit denen von Innenarchitekten kombiniert.
Im Eingangsraum wurde zunächst zu Klaviermusik mit Tränengarant eindringlich mit überlebensgroß projizierten Kindern in die Ängste um die menschliche Zukunft eingestimmt. Es ging darum zu zeigen, dass der Mensch in die umgebenden Ökosysteme eingreift und welche Folgen auftreten können. Festgemacht wird dies an einer Reise eines Hamburgers rund um die Welt entlang des 8° Ost.
Nach einer kurzen Videobotschaft mit einer Einstimmung auf die einjährige Reise machte sich der Abenteurer (real 2003) auf seinen Weg. Zunächst lernt er ein Ehepaar in Gletschernähe kennen, erfährt von deren Sorgen und Nöten. Dann wird er mit Informationen rund um die Gletscherschmelze versorgt und kann sich beim Jodeln ausprobieren.
Soweit, so durchgehend die Geschichte. Allerdings löst sich dieser Zusammenhalt von Weltreise und dargestellten Szenen im weiteren Verlauf immer mehr in Wohlgefallen auf.
Bei Temperaturen zwischen -6 °C in der Antarktis und +36°C ist für Schwung beim kreislaufverwöhnten Besucher gesorgt. Der reisende Herr verwendete übrigens – laut unterhaltenden Filmchen – einen einfachen Kompass und ein Garmin etrex H für seine Orientierung.

Nach den klimatisch sehr gemäßigten Zonen führt die Reise weiter auf den afrikanischen Kontinent mit einem sehr interessant nachempfundenen Wald. Darin leben insbesondere Insekten, die einen Großteil der Lebewesen auf der Erde ausmachen.
In einer mindestens 100 fach vergrößerten Coladose kann man sich anhand verschiedener Klimamodelle die Entwicklung der möglicherweise kommenden Dürre ansehen. Danach geht es mehr ins menschliche Erlebnis in Wüstenstaaten. Dabei wartet ein Schild mit der Erkenntnis auf, dass einige Wüstenbewohner besonders gastfreundlich sind, die Tuareg. Allerdings gilt bei ihnen wie bei uns die linke Hand als praktisches Universalreinigungsgerät. Auch die Probleme im sittlichen Umgang mit der Vermehrung eines Volkes greift man auf. Sie fände eher im Verborgenen statt, insbesondere vorehelich.
Armut, Dürre und Bildungsmangel kennzeichnen einige Teile Afrikas. Insbesondere Frauen sind stellenweise zu 90% Analphabetinnen und können so weder lesen noch schreiben, bei den Männern können gut 25% lesen und schreiben.
Auch Wüstenstürme und Feuer vernichten die Lebensgrundlagen der Menschen nachhaltig.

In einer weiteren Klimazone fühlt man sich als Besucher wie im überdimensionierten Eisschrank. Da ist es gut, dem Zwiebelschalenprinzip zu folgen und möglichst einen dicken Pullover mitzubringen.
Interessant sind die Erinnerungen von alten Inuit, die vom schädlichen Einfluss des Zuckers auf ihre nun ausgefallenen Zähne und anderen Herausforderungen der Moderne berichten. Als die Militärs das Essen rationierten, hatten die Inuit zum Teil an einer ungesunden Ernährung zu leiden. Allerdings war traditionelle Kost wohl auch bei Einigen verpönt.
Ohne Zahnpflege fielen die Zähne dann eben irgendwann aus.

Nach dem Abkühlen folgte dann das Auftanken von Wärme in einer großen Wüstenzone. Dann ging es in einen Dschungel mit hoher Luftfeuchtigkeit und Pflanzen. Zwischendurch waren immer wieder passende Bewohner in Aquarien zu sehen. Den Besuch eines Aquariums kann man sich also wie den Kinobesuch zunächst einmal sparen.
Den krönenden Abschluss bildete eine Himmelstreppe mit einer weiblichen Arie und einem anschließenden Gang zum Sternenhimmel. Schließlich musste die Ankunft vorbereitet werden. In Deutschland begrüßte eine Friesin die Besucher auf der Hallig. Sturmfluten im Zeitenverlauf konnte man ebenso erleben wie auch das Finale. Im abschließenden Raum befanden sich Collagen mit Motiven aller acht Stationen der Reise als Ausklang. Es blieb die besorgte Botschaft, dass man sich als Mensch Gedanken um die eigene Zukunft wie die der Erde machen müsse.

Musikalisch wurde das ganze Ensemble umrahmt von Klaviermusik, üppingen Streicherklängen und dem besten, was auf die Tränendrüse drücken kann. Zwischendrin gab es jedoch auch weitere spezielle Musiken.
Das Tagebuch des Reisenden füllte sich von Station zu Station. Wer viel Zeit hat, kann sich sicher auch alle Exponate ansehen. Allerdings erst, wenn die Installationen komplett funktionstüchtig angebracht sind.

In den anschließenden Themenausstellungen gibt es noch weitere interaktive Experimente zum Beispiel zur Curioliskraft oder zum Luftwiderstand auf dem Fahrrad. Feuer, Erde, Wasser und Luft bilden einen Ausstellungsteil zu den Elementen.
Daneben sind noch einige Dauerausstellungen nicht eröffnet. Zum Teil mutet die Anlage noch etwas wie eine Baustelle an.

Fazit: Nach gut dreieinhalb Stunden und einiger Wiederholung aus dem Erdkundeunterricht war es gut, durch die Ausstellung ohne Drücken und Schieben gekommen zu sein. Bei den üblichen Preisen der Systemgastronomie und den recht soliden Eintrittspreisen zwischen 8,50 € für Azubis, Studenten und Schüler und 12,50 € für Erwachsene blieben die Taschen dann tatsächlich ohne Geld zurück.
Im Foyer gibt es noch einen Shop von Globetrotter. Das auf der Reise verwendete Etrex H findet sich dort allerdings nicht zum Verkauf.
Getreu dem Motto „Diese Bücher sind toll, fristen daheim jedoch nur ein tristes Dasein im Regal“ blieben die hübschen Dokumentationen im Shop liegen. Immerhin hat man es mittlerweile geschafft einigermaßen ansehnliche Postkarten auf den Markt zu bringen.

Posted in Geocaches | Verschlagwortet mit: , , , | Leave a Comment »